„Sind die Steine weiß, ist der Ofen heiß“

Zehn engagierte Mitglieder des Heimatvereins Röhrda lassen die alte Tradition des Brotbackens wieder aufleben

Von Harald Triller

Röhrda. Der Heimatverein Röhrda hat eine alte Tradition wieder aufleben lassen. In den beiden örtlichen Backhäusern wurden Brotlaibe, Losekuchen und zwei Ziegenlämmchen gegart.

Als der Heimatverein den „Tag des Backens“ ins Leben rief, da konnte das Team um den Vorsitzenden Alexander Hartmann wahrlich nicht ahnen, welch großer Erfolg es werden sollte.

„Wir haben zwei intakte Backhäuser, da lag die Idee praktisch auf der Hand“, verschweigt Pressewartin Rita Reinhardt allerdings die Schwierigkeiten des Anheizens nicht: „Es gibt nämlich kaum noch Experten, die den Ofen fachgerecht auf Betriebstemperatur bringen können“, erklärt Rita Reinhardt, die hofft, dass diese Kunst, die von der jüngeren Generation eigentlich nur Markus Sennhenn beherrscht, unbedingt weiter vererbt wird. Ganz wichtig ist auch die einjährige Vorbehandlung der Buchenholzkronen. Sie müssen erst gewellt und dann intensiv getrocknet werden.

„Sind die Steine weiß, ist der Ofen heiß“, gibt Markus Sennhenn die plausible Erklärung, dass die rund dreistündige Vorheizphase beendet ist, und er nun endlich die „aufgegangenen“ Brote mit Hilfe von Horst Bake und mittels des langen Schiebers durch die Luke ins Innere des Ofens befördert - eine Schweiß treibende Angelegenheit für das Duo, das den Ofen zweimal mit je 40 Broten bestückte. „Das Ausputzen des Ofens mit einem nassen Jutesack darf vor dem Backbeginn auch nicht fehlen“, wirft Rita Reinhardt ergänzend ein. Zusammen mit Elisabeth Franzek heizte Markus Sennhenn schon zur frühen Stunde die Holzbacköfen in den historischen Häusern „Am Kirchtor“ und „Am langen Hof“ an.

Während „Am Kirchtor“ der Losekuchen und die beiden Ziegenlämmchen knusprig gebacken wurden, gab’s „Am langen Hof“ ausschließlich Brot. „Wir haben zur genauen Planung um Brotvorbestellungen gebeten. Die ließen zunächst auf sich warten, aber in den letzten Tagen ist die Zahl auf 80 Laibe angestiegen“, lobt Alexander Hartmann das Engagement von Dieter Jakob, der den bei Annchen Hartmann angesetzten Sauerteig mit Händekraft geknetet und zu Laiben geformt hat.

Wer sich sein Brot abholte, der durfte zur Stärkung ein Stück vom herzhaft mundenden Ziegenlamm „naschen“.

„Ich freue mich schon auf ein Brot, mit frischen Fett bestrichen“, machte Günter Reinhardt Appetit. Er hat gleich drei Stück gekauft und, wie viele andere auch, ein ordentliches Trinkgeld an den Heimatverein gespendet, der die Brote zum Selbstkostenpreis abgab. „Wir wollten nichts an der Aktion verdienen, aber auch kein Geld drauflegen“, zeigte sich Alexander Hartmann dankbar über die Spenden. „Die Pflege des Brauchtums war uns wichtig“, nutzte der Vorsitzende das Forum, um sich bei den zehn Aktiven des Heimatvereins zu bedanken, die sich an der Aktion mit beispielhaftem Engagement einbrachten.

Das ‘Backteam’

Tag’s zuvor wird unter Einsatz der Muskeln der Teig nach alter Rezeptur geknetet und zu Laibern geformt.

Der Ofen wird angeheizt, ganz nach alter Überlieferung.

In dem heißen Ofen werden die Brotlaiber gebacken und anschlissend natürlch verzehrt,